Mal was anderes...

Man (bzw. frau) liest in aufgeklärten Zeitschriften und Magazinen ja häufig Artikel zum Thema Magerwahn in Mode und Gesellschaft. Meistens ist der Tenor der gleiche: "Alles ganz schlimm, völlig übertrieben, nicht jeder Mensch ist gleich und oder von Natur aus Schlank, blablabla". Als "Betroffene" (Meinem Bauchgefühl nach schließt das gefühlt 95% der weiblichen Bevölkerung ein, die sich in ihrem Körper nicht ganz wohl fühlen, gerne ein bisschen oder auch ein bisschen mehr abnehmen würden und schon eine oder mehrere Diäten oder Fastenkuren hinter sich haben) nickt man kurz, denkt sich "Genau so ist es!" und weiter geht es in der Tagesordnung - weil man ja nachher noch zum Sport muss bzw. überlegt wo und wie man sich sein kohlehydratarmes Abendessen heute organisiert.

Allerdings lies mich heute eine Zahl in einem Artikel der Süddeutschen zu diesem Thema aufmerken (Heute gab es dort übrigens gleich zwei Artikel, die auf dem Facebook Account der Süddeutschen gefeatured wurden und sich mit dem Thema "Frauen und Gewicht" beschäftigten...) und spukt mir seitdem im Kopf herum: 

"Statistiken zeigen, dass hierzulande gerade einmal 15 Prozent aller Frauen Kleidergröße 36 oder kleiner tragen. Die durchschnittliche Konfektionsgröße für Frauen liegt heute bei 42."

Was das heißt? Das heißt, das 85 Prozent der deutschen Frauen Kleidergröße 38 oder größer tragen. Kleidergröße 42 ist keine unglaublich schlimme Strafe Gottes, sondern die Norm. Darüber sollten wir alle, die mit unserem Gewicht hadern und oft verzweifelt versuchen, unseren Körper auf die eine oder andere, oft ungesunde, Weise in ein vermeintliches Idealmaß zu bringen, mal gut nachdenken.

Nicht, dass ich sagen möchte, dass die 15 Prozent Frauen, die schlank genug für Größe 36 und kleiner sind, keine normale Figur haben. Aber haben denn die 85 Prozent der Frauen, die nicht diesem Maß entsprechen, automatisch eine unnormale Figur?

Gerne wird ja damit argumentiert, dass Menschen, deren Gewicht über einer bestimmten Grenze liegt, mit schlimmsten gesundheitlichen Folgen rechnen müssen. Ist das wirklich immer so? Immerhin gibt es auch Studien, die ein Gegenteil andeuten, z.B. dass Menschen mit leichtem bis mittlerem Übergewicht länger leben als sehr schlanke Menschen. Zudem ist es ja auch sehr umstritten, wo Übergewicht überhaupt anfängt. Früher orientierte man sich an Ideal- und Normalgewicht, heute an Zahlen wie dem BMI und dem Körperfettwert - über alle diese Zahlen kann man diskutieren.

Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich für mich persönlich die Lehre gezogen habe, mal 5 grade und Kleidergröße auch nur eine Nummer sein zu lassen - nun, an diesem Punkt bin ich leider akzeptanzmäßig noch lange nicht. Aber vielleicht schaffe ich es, mir zukünftig nicht mehr so einen Stress zu machen, wenn die Waage wieder mal ein paar hundert Gramm mehr anzeigt und mit weniger schlechtem Gewissen leckere Kalorienbomben zu genießen.

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